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Der Held aus dem Westen

von John Millington Synge
in einer Übersetzung von Heinz Oliver Karbus

John Millington Synge schildert in seinen Werken mit Vorliebe das Leben der einfachen Menschen auf den Inseln im Westen Irlands. Er bedient sich dabei der Lebendigkeit, der poetischen Kraft und des Humors dieses prachtvollen Menschenschlages der Iren.

Heinz Oliver Karbus transportiert mit seiner Übersetzung ins Bairische diese urkomische Geschichte auf die Freilichtbühne in Kleinhochreit. Ein ausgesprochen fröhliches und irrwitziges Stück, das die Zuschauer mitreißen wird und bei dem kein Auge trocken bleibt.

John Millington Synge

wurde am 16. April 1871 in Rathfarnham im Süden Dublins geboren. Sein Vater, ein Rechtsanwalt, starb, als John gerade ein Jahr alt war. Seine Mutter musste sich alleine um die Versorgung von fünf Kindern kümmern, von denen John das jüngste war. Obwohl John ein zartes, kränkliches Kind war, hatte er eine doch wohl weitgehend glückliche Kindheit. Er hatte Freude an der Naturbeobachtung und Gelegenheit dazu in den regelmäßigen Ferien auf dem Landsitz der Familie.

John erhielt Privatunterricht und wurde für einige Zeit an Schulen in Dublin und in Bray unterrichtet. Später besuchte er die Royal Irish Academy of Music, wo er Klavier, Flöte, Violine und Musiktheorie studierte. Mit 18 Jahren schrieb er sich am Trinity College in Dublin ein und erwarb dort einen Abschluss in Irisch und Hebräisch. Gleichzeitig hatte er sein Musikstudium fortgesetzt und hierfür sogar ein Stipendium bekommen.

John stand immer unter dem starken Einfluss seiner Mutter, die strenge protestantische Grundsätze hatte und die Beschäftigung ihres Sohnes mit der Musik kritisch sah. Nachdem er den Entschluss gefasst hatte, die Musik zum Beruf zu machen, wollte er seine Studien im europäischen Ausland fortsetzten. Dies gelang ihm erst mit Hilfe von Mary Synge, einer Verwandten aus England, die als Pianistin bereits ein gewisses Renommee erworben hatte und Johns Mutter überzeugen konnte, ihren Widerstand gegen die Pläne ihres Sohnes aufzugeben. Mary begleitete ihn zunächst auf der Reise nach Europa, und gemeinsam kamen die beiden 1893 in Deutschland an, wo John anfangs in Koblenz und später an der Königlichen Musikschule in Würzburg sein Musikstudium fortsetzte.

Synge war ein schüchterner Mensch und hatte wenig soziale Kontakte. Er las die bedeutenden Werke der klassischen deutschen Literatur in der Originalsprache und unternahm regelmäßige Spaziergänge in die Umgebung, auf denen er seine Leidenschaft für die Fotografie auslebte.

Während seiner Zeit an der Königlichen Musikschule in Würzburg wird ihm klar, dass er als Instrumentalist sein ständig vorhandenes Lampenfieber nicht in den Griff bekommen würde, und als Komponist nicht die nötige Begabung hätte. Es sind noch heute Kompositionen von John Millington Synge erhalten, die allerdings von eher durchschnittlicher Qualität sind.

Und so trifft er in Würzburg eine schwerwiegende Entscheidung: Er gibt sein Musikstudium auf und kehrt Anfang Juni 1894 nach Irland zurück.

Es folgt eine Zeit der Suche, Synge reist über Rom nach Paris, wo er Sprachen studiert. In Paris lernt er 1896 William Butler Yeats, den Schriftsteller und späteren Nobelpreisträger, kennen. Yeats war es schließlich, der Synge den Rat gibt, nach Irland zurückzukehren und über das Leben der Menschen auf den Aran Islands zu schreiben, ein Thema, das in der irischen Literatur bislang noch keinen Ausdruck gefunden hatte.

So unternahm Synge zahlreiche Reisen entlang der irischen Westküste. Die dortigen Naturgegebenheiten, sowie die harte und raue ländliche Umgebung, hatten erheblichen Einfluss auf Synge und seine Schriften. Auf den Aran Islands ließ er sich schließlich nieder, wo er die Menschen beobachtete und deren Sprache lernte. Die Naturverbundenheit, aber auch gleichzeitig die brutalen Lebensbedingungen der Inselbewohner faszinierten ihn sehr, besonders deren ständiger Kampf gegen ihren unerbittlichen Feind, das Meer.

Synges Werke spielen allesamt an zivilisationsfernen, kargen und archaischen Schauplätzen. Eine besondere Vorliebe empfand er für nicht-sesshafte Charaktere wie Wanderarbeiter oder Kesselflicker. Von deren Lebensweise inspiriert, machte er sie häufig zu den Hauptpersonen seiner Werke und zog sie den bürgerlichen Werten und Lebensformen vor. John Millington Synge hat insgesamt sechs Theaterstücke verfasst, sein bekanntestes Stück war „The Playboy of the Western World“. Neben den Theaterstücken sind Reiseberichte über Wicklow, die Aran Islands und Regionen im Westen Irlands überliefert, außerdem eine kleinere Sammlung von Gedichten.

Synge war im Jahr 1903 neben William Butler Yeats und Lady Gregory einer der Begründer des Abbey Theatre in Dublin, noch heute eine Institution in der irischen Theaterwelt.

Sein Stück „The Playboy of the Western World“ hat bei seiner Uraufführung 1907 zu tumultartigen Szenen im Theater geführt, weil es nach Auffassung der Zuschauer durch seine unmoralische Sprache die Würde Irlands angreife. Der Schluss des Stückes wurde bei der Uraufführung unter Polizeischutz als Pantomime gespielt. Synge hatte die weibliche Hauptrolle für die junge Schauspielerin Molly Allgood geschrieben, die er 1905 kennengelernt hatte und die seine große, von seiner Familie und seinem Umfeld nie akzeptierte Liebe wurde.

John Millington Synge starb am 24. März 1909 im Alter von nicht einmal 38 Jahren an Krebs, die ersehnte Heirat mit Molly konnte nicht mehr stattfinden. Er ist, trotz der kurzen Schaffenszeit, die ihm blieb, in die irische Literaturgeschichte als einer der großen Dramatiker des 20. Jahrhunderts eingegangen.

 

Aus Deutsch-Irische Gesellschaft Würzburg e. V. Internet

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